Von Irland in die Welt: Tinker

Die Geschichte der Tinker ist so bunt und so vielschichtig wie die Pferde selbst. Schon die korrekte Namensgebung gestaltet sich schwierig, sind doch neben der hierzulande üblichen Bezeichnung "Tinker" noch zahlreiche andere Namen im Umlauf, wie zum Beispiel Coloured Cob, Traveller Horse, Tinker-Pony, Vanner oder Gipsyhorse, um nur einige zu nennen. Ein Rasseporträt von Sylke Schulte.



Den Tinkerfreunden in Deutschland bereitet vor allem die Unterscheidung zum Rassenamen "Irish Cob" Kopfzerbrechen und so kommen hier Rassebezeichnungen zustande wie "Irish Cob Crossbred", die den Fremdblutanteil der Tinker, das heißt andere Rasseneinkreuzungen, deutlich machen.

Die Bezeichnung Tinker (Kesselflicker) war ursprünglich eine Beleidigung und zielte auf das fahrende Volk in Irland ab, das ohne festen Wohnsitz über die grüne Insel zog und sich hier und da seinen Lebensunterhalt durch Aushilfsarbeiten verdiente. Diese "Traveller", wie sie sich selbst nannten, erwarben Pferde, die zum Beispiel aufgrund ihrer Farbgebung wenig Anklang bei der übrigen Bevölkerung fanden - Schecken waren zu dieser Zeit in der gehobenen Gesellschaft besonders unbeliebt. Auf welche Rassen der Tinker ursprünglich zurückgeht, lässt sich also heute nur noch schwer zurückverfolgen. Sicher ist jedoch, dass neben Connemaras, Clydesdales und Irish-Draught Horses wohl noch viele andere Pferderassen ihren Anteil hatten.

Die Pferde der Traveller mussten sich schnell dem harten Alltagsleben dieses Volkes anpassen und so entwickelte sich mit der Zeit ein leichtfuttriges, robustes und ausdauerndes Arbeitspferd. Auch wenn man zu dieser Zeit noch nicht von einer einheitlichen Rasse sprechen konnte, züchteten die Traveller ein genügsames, zuverlässiges Pferd heran, das sie - der Legende nach - des Öfteren im Schutze der Nacht auf den Weiden der Großgrundbesitzer mit hochkarätigen Hengsten veredelten.

Das Gold der Zigeuner klimpert und funkelt nicht, es glänzt in der Sonne und wiehert in der Dunkelheit. - alte Zigeunerweisheit

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts kamen diese in England und Irland wie ihre Besitzer abschätzig Tinker genannten Pferde schließlich über Umwege und meist als Schlachtpferde auf das europäische Festland, wo sie in den 90er Jahren vor allem in Deutschland und Holland einen regelrechten Boom auslösten. Das zottelige, bunte Pferd war nicht nur sehr günstig zu erstehen, sondern galt auch noch als echtes Verlasspferd und machte sich so viele Freunde unter den Freizeitreitern, die zu dieser Zeit begannen, nach Alternativen zur klassischen Strenge der herkömmlichen Reitstile zu suchen. Diese Begeisterung für ihre Tinker blieb auch in Irland nicht unbemerkt und so wurde 1998 die Irish Cob Society Ireland Ltd. (ICS) gegründet, die fortan die Rassestandards für die Puschelfüße festlegte. Bis heute konnte sich die ICS leider nicht mit deutschen Zuchtverbänden auf einheitliche Zuchtziele einigen. Doch auch hierzulande gibt es Bemühungen, die Ursprünglichkeit und Eigenart der Tinker zu erhalten und sie nicht, wie leider lange Zeit üblich, mit anderen Pferderassen zu "veredeln".

Obwohl es wie gesagt keine einheitlichen Zuchtregelungen in Europa gibt, unterscheidet man heute zwei Typen der meist im Quadrat stehenden Pferde: den sportlicheren Vanner und den schwereren Cob. Mit einem Stockmaß von 135 bis 170 cm und einer Farbpalette, in der lediglich Albinos unerwünscht sind, finden sich zahlreiche Variationen des Tinkers, wobei die häufigen Scheckungen und der meist üppige Fesselbehang sofort ins Auge stechen.

Genauso vielseitig und bunt wie das Exterieur des Tinkers sind auch seine Talente. Obwohl er von ehrgeizigen Reitern oft belächelt wird, versetzt der bunte Puschelfuß durch sein Können immer mal wieder Turnierzuschauer in Erstaunen. Besonders in der Westernreiterei trifft man immer öfter auf Tinker. Aufgrund ihrer Intelligenz, ihrer Gutmütigkeit und Ausdauer finden sich Tinker heute ansonsten vor allem als Therapie-, Freizeit- oder Kutschpferde wieder.

Fotos: Regina Kaute, Tinkerfohlen: Katharina Hopp, beide Pixelio

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