Achtung, giftig!

Normalerweise sagt Pferden ihr natürlicher Instinkt, welche Pflanzen sie fressen dürfen und welche nicht. Doch je mehr die Pferde ihrem natürlichen Umfeld entfremdet werden, desto größer ist die Gefahr, dass sie sich doch einmal irren. Deshalb sollte ein Stallbesitzer Sorge tragen, dass gefährliche Giftpflanzen gar nicht auf und in der Nähe der Koppeln wachsen. Welche Giftpflanzen besonders gefährlich sind und wie man sie erkennt, lesen Sie hier.

Doch nicht nur auf der Koppel können Pferde an Giftpflanzen herankommen - sondern auch bei einem Austritt. Und da sollte auch der Reiter wissen, von welchen Pflanzen er sein Pferd besser fernhält.

Noch ein Tipp vorab von Pferde-Welt-Expertin Doreen Kanaan: Nicht alle hier genannten Pflanzen wachsen in jeder Region. Man sollte sich also nicht verrückt machen und ständig nach Giftpflanzen Ausschau halten. Vielleicht einmal in Ruhe unsere Übersicht lesen und dann feststellen, welche Pflanzen in der Umgebung wirklich anzutreffen sind.

Drei Pflanzenteile, die praktisch zum täglichen Leben gehören, sollte man aber von den Pferden fernhalten: Kartoffelkeime (können Darmreizungen, Krämpfe und Blutzersetzung auslösen), Tabak (Nikotin kann Nervosität, Lähmungen und Koliken hervorrufen) und Eicheln. Die meisten Pferde meiden Eicheln, doch gerade junge Pferde fressen sie oft recht gern. Doch die in den Eicheln enthaltene Gerbsäure kann zu Verstopfungen und Darmentzündungen bis zur Kolik führen.
Doreen Kanaan hat auch einen Fall erlebt, an dem ein Pony beinahe umgekommen wäre, weil es jede Menge Eicheln gefressen, aber zu wenig dazu getrunken hatte. Die Eicheln blieben stecken und quollen auf... Glücklicherweise löste sich der Eichel-Klumpen doch irgendwann. Sonst wäre eine Operation die einzige Rettung gewesen.

Adlerfarn
Ihn gibt es fast auf der ganzen Welt, er kann bis zu zwei Meter, in Einzelfällen sogar bis zu vier Meter hoch werden. Alle Teile sind giftig. Beim Pferd kann er Ängstlichkeit, Fress-Unlust, Taumel, blutigen Durchfall, Zusammenbruch - bis zum Tod im Koma - auslösen.

(Einjähriges) Bingelkraut und Wald-Bingelkraut
Das Einjährige Bingelkraut wird bis zu 40 cm hoch und hat einen viereckigen Stängel mit gegenüberstehen Ästen. Das Wald-Bingelkraut wird bis zu 30 cm hoch, die Pflanze ist nur oben beblättert. Beide haben gelblich-grüne Blüten, die sich im April bis Mai zeigen.
Das Wald-Bingelkraut findet man auf feuchten Waldböden. Es wächst in ganz Europa, allerdings im Norden eher selten. Das Einjährige Bingelkraut findet man auf Ödland, in Weinbergen und an Feldern.
Für Pferde ist die Pflanze sowohl in frischer als auch getrockneter Form hochgiftig.
Vergiftungssymptome zeigen sich meist erst nach einigen Tagen. Diese können sein: Speichelfluss, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, schiefe Halsstellung. Es kann zu einer Magen- Darmentzündung kommen, Leber und Niere können geschädigt werden. Der Harn der Tiere verfärbt sich möglicherweise rotblau. Die Vergiftung kann bis zum Tod führen.

Buschwindröschen
Eine echte Frühlingsblume, im März/April sieht man in den Wäldern oft ganze "Teppiche" mit den zarten weißen Blüten.
Sämtliche Pflanzenteile sind giftig. Es kann beim Pferd zu einer Entzündung des Verdauungskanals und der Nieren und zu einer Herzschwäche kommen.

Gemeiner Buchsbaum
Immergrüne, langsam wachsende Pflanze, die bis zu acht Meter hoch werden kann. Wird gern als Zaun oder Beetbegrenzung eingesetzt. Alle Teile des Buchsbaumes sind giftig. Frisst ein Pferd 750 Gramm der Blätter, führt das zum Tod. Vergiftungserscheinungen sind: Schwindel und Unruhe, Koliken, Durchfall, Krämpfe, Lähmung des Zentralnervensystems.

Eibe (Taxus baccata)
Dieses immergrüne Nadelholzgewächs findet man als Einzelpflanze im Wald, es wird aber auch gern als Hecke gepflanzt. Es kann bis zu 20 Meter hoch werden. Weibliche Pflanzen tragen im Herbst rote "Früchte", die in der Mitte einen einzelnen Samen enthalten. Vögel fressen das Fruchtfleisch sehr gerne, weil sie wissen, dass dieses nicht giftig ist - der Kern und alle anderen Pflanzenteile aber sehr wohl! 150 Gramm der Nadeln oder kleinen Äste können für ein Pferd bereits tödlich sein - es kommt zum Herzstillstand. Die für Pferde gefährlichste Pflanze überhaupt!

Fingerhut (Digitalis)
In Deutschland gibt es hauptsächlich vier Arten: den Großblütigen, den Gelben, den Roten und den Wolligen Fingerhut. Man findet sie auf Waldlichtungen oder an Wald- und Feldrändern und als farbigen Blickfang im Garten, sie können bis zu 1,50 m hoch werden. Blütezeit ist etwa Juni bis August. Der vor allem im Wolligen und Roten Fingerhut enthaltene Wirkstoff Glykosid Digoxin ist ein wichtiger Wirkstoff für Arzneimittel. Daraus wird ein Medikament gegen Herzmuskelschwäche hergestellt. Doch in zu hoher Dosierung wird Glykosid Digoxin zum gefährlichen Gift - und das wirkt auch noch, wenn Bestandteile in getrockneter Form im Heu gelandet sind! Frisst ein Pferd mehrmals täglich auch nur kleine Mengen davon, sammelt sich das Gift im Körper und löst Durchfall, Schweißausbrüche und/oder Taumeln aus. In hoher Dosierung kann es zu Herzstillstand und Tod führen.

Gefleckte Schierling
Er gehört zur Familie der Doldenblütler und ist, genau wie der Wasserschierling, zu den giftigsten Doldengewächsen. Die Pflanze kann bis zu zwei Meter hoch werden, sie trägt zwischen Juni und August weiße Blüten.
Der Schierling gehört zu den giftigsten einheimischen Pflanzenarten. Alle Teile enthalten das Gift Coniin. Es kann beim Pferd Muskelschwäche, Krämpfe und Lähmungen auslösen.

Goldregen (Cytisus laburnum)
Wegen seiner langen, gelben Blütendolden wird der Goldregen, auch Bohnenbaum genannt, viel in Gärten und Parks gepflanzt. Der Giftstoff Cytisin löst beim Pferd Schweißausbrüche, Krämpfe, Durchfall, Gähnen und Taumeln aus. Haben Menschen Teile des hochgiftigen Goldregens zu sich genommen (alle Pflanzenteile sind giftig!), kommt es meistens zum Erbrechen. Da Pferde dies aber nicht können, ist die Pflanze für sie doppelt gefährlich. 250 Gramm des Samens sind für ein Pferd tödlich - es kommt zum Atemstillstand.

Herbstzeitlose
Weit verbreitet, allerdings in Nordeuropa eher weniger. Sie wird bis zu 30 cm hoch und wächst an auf feuchten, nährstoffreichen Wiesen und an sonnigen, windgeschützten Böschungen. Sie blüht von September bis Oktober, die Blüten gehen von rosa bis violett. Alle Teile der Herbstzeitlosen enthalten das giftige Alkaloid Colchicin. Die größte Menge Gift befindet sich in der Blüte mit bis zu 1,8 %. Aber Samen, Knolle und Blätter können ebenfalls Vergiftungen hervorrufen. Auch in getrockneten Pflanzen bleibt das Gift erhalten. Gefährlich: Wenn die Samen ins Heu gelangt sind. Vergiftungserscheinungen: Beim Pferd kann es zu Appetitlosigkeit, Koliken, Atemlähmung und Kreislaufversagen kommen.

Jakobskreuzkraut oder Jakobsgreiskraut
Diese Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler, Blütezeit ist im Juni/Juli. Das Jakobs-Greiskraut ist eine oft zweijährige, manchmal auch länger wiederkehrende Pflanze. Im ersten Jahr besteht sie nur aus cirka 20 cm langen Grundblättern. Ein Stängel mit den gelben Blütenständen entwickelt sich erst im zweiten Jahr. Sie wächst an Feldrändern, auf Wiesen, Ackerbrachen und Magerrasen usw.. Gut zu wissen: Auf intensiv bewirtschafteten Flächen hat das Jakobskreuzkraut keine Chance.
Die ganze Pflanze ist stark giftig -auch im getrockneten Zustand, wenn sie zum Beispiel in Heu oder Silage geraten ist. Das besonders Gefährliche daran: Sie hat im getrockneten Zustand ihren Geruch verloren, der sonst das Pferd warnen würde. Das Pferd bekommt Verstopfung oder blutigen Durchfall, Krämpfe, gähnt häufig und atmet angestrengt. Es magert ab, seine Leber wird geschädigt. Das Pferd ist unruhig, wird blind. Bei akuter Vergiftung gibt es keine Rettung - das Pferd stirbt. Auch in regelmäßigen kleinen Mengen wird die Leber dauerhaft geschädigt, so dass eine schleichende Vergiftung über Jahre möglich ist und dann auch zum Tode führt.

Lebensbaum (Thuja occidentalis)
Sie gehören zu den Nadelholzgewächsen und sind immergrün. Die enthaltenen ätherischen Öle können beim Pferd zu Schleimhautreizung, Kolik, Durchfall und Leberdegeneration führen.

Oleander oder Rosenlorbeer
Diese immergrüne Pflanze gehört zu den Hundsgiftgewächsen und kann bis zu vier Meter hoch werden. In Nordeuropa gibt es Oleander hauptsächlich als Kübelpflanze. Alle Pflanzenteile sind giftig. Sie können beim Pferd Koliken, Durchfall und Herzschwäche auslösen.

Rhododendron
Rhododendren gehören zur Familie der Erikagewächse, sind in der Mehrzahl immergrün und es gibt mehr als 100 verschiedene Arten, aber nur neun davon gibt es in Europa.
Viele Rhododendren sind giftig - und zwar die Blätter, der Nektar und die Pollen. Das Gift heißt Andromedotoxin. Es führt bei Pferden zu einer Schleimhautreizung, zu Speicheln, blutigem Durchfall und Zwerchfell-Krämpfen.

Robinie (Falsche Akazie)
Ein aus Nordamerika stammender Laubbaum, der in Nordeuropa mittlerweile sowohl in Gärten als auch in freier Natur vorkommt. Er kann bis zu 30 Meter hoch werden. Borke, Blätter und Samen der Robinie sind giftig. 150 Gramm können für ein Pferd tödlich sein. Vergiftungserscheinungen sind: Koliken, Raserei, Benommenheit, Gehirnreizung, Entzündung der Magen- Darmschleimhaut, Hufrehe.

Schwarze Tollkirsche
Dieses Nachschattengewächs kann bis zu 1,50 Meter groß werden. Man findet es oft auf Waldlichtungen von Laub- und Nadelwäldern, an Waldrändern und auf brachliegenden Flächen. Blätter, Wurzeln und Beeren sind hochgiftig, auch im getrockneten Zustand. 180 Gramm getrocknete Wurzeln führen beim Pferd zum Tod. Anzeichen für eine Vergiftung sind: starkes Schwitzen mit anschließender Lähmung, erweiterte Pupillen, Koliken, Schwäche, erhöhter Puls.

Schwarzes Bilsenkraut
Dieses Nachtschattengewächs nennt man auch Hexenkraut, weil man damit Rauschzustände hervorrufen kann. Normalerweise wird die Pflanze bis zu 60 cm groß, die Blüten sind gelblich-weiß. Fressen Pferde von dieser Pflanze, kann es zu Koliken, Lähmungen und Tobsucht kommen. 180 bis 360 Gramm der frischen Pflanze sind tödlich.

Seidelbast
Ein Frühblüher, bei dem besonders die Rinde und die Beeren hochgiftig sind. 30 Gramm Rinde können ein Pferd töten. Ansonsten kann es zum Anschwellen der Mauschleimhaut und zu einer Darmentzündung kommen.

Sumpf-Schachtelhalm
Die Wurzeln des Sumpf-Schachtelhalms wachsen über einen Meter tief in den Boden und überstehen dort den Winter. Die Pflanze kann bis zu 60 cm hoch werden. Die Sprossen sind grasgrün, die Stängel gerippt. Den Sumpf-Schachtelhalm findet man auf nassen Wiesen, Flachmooren, an Ufern von Seen und Bächen und in Verlandungsbereichen. Die ganze Pflanze ist für Pferde giftig, auch in getrocknetem Zustand - darf also nicht ins Heu gelangen. Sie kann Taumel auslösen, außerdem Schreckhaftigkeit und Ängstlichkeit, Schwindel, Lähmung. Bekommt das Pferd über einen längeren Zeitraum immer wieder von dem Gift, wird es stark abmagern und nach etwa einem Monat sterben.

Alle Fotos: www.pixelio.de

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