Fellwechsel im Frühling

Die Tage werden wieder länger, die Vögel kehren aus ihren Winterdomizilen zurück, hier und da streckt langsam aber sicher der erste Krokus seinen Kopf aus der noch schneebedeckten Erde: Der Frühling steht in den Startlöchern und damit auch ein von vielen Pferdefreunden gefürchtetes Phänomen: der Fellwechsel. Hierüber hat sich Sylke Schulte für Pferde-Welt.Info Gedanken gemacht.



Zweimal im Jahr, im Herbst und im Frühjahr, bereiten sich Pferde durch den Wechsel ihres Haarkleids auf die kommende Jahreszeit vor. Dabei kann dieser natürliche Prozess von vielen äußeren Faktoren abhängen, wie zum Beispiel den aktuellen Temperaturen, der Fütterung und der Pferdegesundheit. Während frühzeitig eingedeckte Stallpferde nur wenig bis gar kein Winterfell entwickeln - und oftmals in dieser Zeit auch noch geschoren werden, um vielbeschäftigten Reitern das lange Trockenreiten- oder putzen zu ersparen - wächst Offenstallpferden oft ein dichtes Teddyfell, das sie gegen die niedrigen Temperaturen und andere Wettereinflüsse schützt. Steigen die Temperaturen dann im Frühjahr langsam an, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen an den Wolken vorbeischieben, beginnt die Zeit des Fellwechsels, der sich je nach Alter und Kondition des Pferdes unterschiedlich lange hinziehen kann. Einige Pferde erstrahlen schon innerhalb einiger Tage im neuen, kurzen Sommerfell, andere brauchen dafür etwas länger.

Der Organismus des Pferdes wird durch den Fellwechsel stark belastet, doch gehört dieser Prozess zu den natürlichen Anpassungen des Pferdes und bedarf daher in den meisten Fällen keinerlei Eingriffe durch den Menschen. Bei gesunden Pferden kann lediglich durch regelmäßiges Putzen dabei geholfen werden, das unerwünschte Winterkleid loszuwerden. Zusätzlich stimuliert eine solche Massage auch die Pferdehaut, was das Haarwachstum und somit den gesamten Fellwechsel beschleunigen kann. Beim Putzen sollten die heraus gebürsteten Haare unbedingt aufgefangen werden, damit sie nicht in Pferdenasen oder ins Futter gelangen.

Die oft beobachtete Frühjahrsmüdigkeit, die bei Pferden mit Konditionsschwächen und Lustlosigkeit einhergehen kann, wird dabei oftmals zu Unrecht auf den beschwerlichen Fellwechsel zurückgeführt. Die Ursache hierfür liegt meist eher in einer unsachgemäßen Fütterung und Haltung über die Wintermonate: Körperlich und geistig sind viele Pferde in dieser Zeit unterfordert, es fehlt an Bewegung, frischer Luft, Sonneneinstrahlung und zumeist auch an der nötigen Vitamin- und Mineralstoffzufuhr. Bringt man sein Pferd physisch und psychisch fit durch den Winter, ist der Fellwechsel kein Problem. Eine ausreichende Nährstoffversorgung kann - je nach Witterungsverhältnissen - während dieser Zeit oft bereits wieder über regelmäßigen und ausgiebigen Weidegang gewährleistet werden.

Während gesunde Pferde also keinerlei Schwierigkeiten mit dem Fellwechsel haben, kann dies im Alter, bei geschwächten Pferden oder bei Tieren mit Stoffwechselproblemen schon anders aussehen. Oft zieht sich der Fellwechsel gerade bei älteren Pferden sehr lange hin und kann manchmal sogar mit schmerzenden und juckenden Hautirritationen einhergehen. Außerdem kann es passieren, dass das Immunsystem in dieser Zeit durch den kraftraubenden Wechsel geschwächt wird und Viren oder Pilzen nicht mehr genug Widerstand geleistet werden kann. In diesen Fällen sollte der Halter unbedingt eingreifen. Neben dem regelmäßigen Putzen kann hier vor allem über das Futter geholfen werden. Im Futterfachhandel und im Internet gibt es zahlreiche Futterzusätze, wobei man eine kurzfristige Überversorgung mit Vitaminen unbedingt vermeiden sollte. Synthetische Futterzusätze können den Versorgungshaushalt des Pferdes ins Ungleichgewicht bringen. Eine Überversorgung mit Vitaminen oder Mineralstoffen ist nur sehr schwer zu diagnostizieren, kann aber zu starken gesundheitlichen Problemen führen. Außerdem kann der equine Stoffwechsel synthetische Zusätze oft nicht optimal verarbeiten, was wiederum zu neuen Problemen führen kann. Vielmehr empfiehlt es sich, bereits in den Monaten zuvor eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralien durch natürliche Futtermittel zu gewährleisten. Auch kaltgepresste Öle, wie zum Beispiel Schwarzkümmelöl oder Leinöl oder verschiedene, natürliche Kräutermischungen tun Haut und Haar gut und können helfen, den Fellwechsel schneller über die Bühne zu bringen. Genauere Informationen zu Einzelfällen können bei jedem Tierarzt oder Tierheilpraktiker erfragt werden. Braucht ein Pferd ungewöhnlich lange für den Fellwechsel, sollte sowieso ein Tierarzt zu Rate gezogen werden.

Foto's: Pferde-Welt.Info
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